Der Tauschladen in der Stadtmitte
Zwischen einem Friseursalon und einem Café befindet sich seit etwa einem halben Jahr ein kleiner Laden, in dem beim Einkaufen kein Geld verwendet wird. Das Prinzip ist einfach: Wer Gegenstände besitzt, die er selbst nicht mehr braucht, kann sie dort abgeben und dafür andere Dinge mitnehmen. Bezahlt wird dabei nichts. Hinter dem Projekt steht ein Verein, der sich für einen bewussteren und nachhaltigeren Umgang mit Konsumgütern einsetzt.
Das Angebot ist erstaunlich vielfältig. In den Regalen findet man Bücher, Geschirr, Kinderspielzeug und Werkzeug, gelegentlich werden sogar kleinere Möbelstücke abgegeben. Bevor etwas weitergegeben werden darf, kontrollieren und sortieren ehrenamtliche Helfer alle Gegenstände. Dinge, die kaputt oder bereits sehr stark abgenutzt sind, werden nicht angenommen. Direkt am Eingang informiert eine Tafel darüber, welche Sachen derzeit besonders benötigt werden. Zurzeit sind das unter anderem Winterjacken für Kinder und Reiseführer.
Von dem Laden erfuhr ich durch eine Nachbarin. Anfangs konnte ich mir allerdings kaum vorstellen, dass das Konzept tatsächlich funktionieren würde. Warum, fragte ich mich, sollten Menschen gut erhaltene Dinge abgeben, ohne dafür Geld zu bekommen? Erst bei meinem ersten Besuch verstand ich das System genauer. Für jeden Gegenstand, den man abgibt und der die Kontrolle besteht, erhält man eine bestimmte Anzahl von Punkten. Diese können später gegen andere Sachen eingetauscht werden. Selbst wer gerade nichts zum Tauschen hat, muss nicht leer ausgehen: Man kann ebenfalls Punkte sammeln, indem man einige Stunden freiwillig im Laden mithilft.
Ganz unumstritten ist das Projekt allerdings nicht. Einige Geschäftsleute aus der Umgebung befürchten, dass ihnen dadurch Kunden und damit Einnahmen verloren gehen könnten. Dabei ist der Tauschladen lediglich an drei Nachmittagen in der Woche geöffnet. Andere zweifeln daran, dass sich ein Angebot, das fast ausschließlich von freiwilligen Helfern getragen wird, langfristig erhalten lässt. Zurzeit finanziert sich der Verein vor allem durch Spenden und einen kleinen Zuschuss der Stadt. Diese Unterstützung ist jedoch nur befristet und läuft im kommenden Jahr aus.
Für mich persönlich hat der Laden inzwischen noch eine andere Bedeutung bekommen. Bei einem meiner Besuche lernte ich dort eine Studentin kennen, mit der ich seitdem regelmäßig Deutsch übe. Außerdem habe ich mir selbst eine Regel gesetzt: Ich nehme nur dann etwas mit, wenn ich gleichzeitig auch etwas abgebe. Dadurch hat sich zu Hause tatsächlich einiges verändert. Sowohl meine Wohnung als auch mein Kleiderschrank sind weniger voll als früher, und trotzdem habe ich nicht das Gefühl, dass mir etwas fehlt.
Ob es den Tauschladen auch in Zukunft geben wird, steht noch nicht fest. Im Herbst wollen die Mitglieder des Vereins darüber beraten und eine Entscheidung treffen. Unabhängig davon möchte ich den Laden weiterhin besuchen. Ich kann mir inzwischen sogar vorstellen, dem Verein selbst beizutreten und das Projekt stärker zu unterstützen.
Das Ergebnis dieser einzelnen Übung ist keine Bestehensprognose und keine offizielle Bewertung.