Wie ich Lebensmittel rette
Zweimal pro Woche fahre ich abends mit dem Fahrrad zu einer Bäckerei am Stadtrand. Dort hole ich Brot, Kuchen und andere Backwaren ab, die am Ende des Tages übrig geblieben sind und normalerweise weggeworfen würden. Ich engagiere mich beim sogenannten Foodsharing. Dabei geben Geschäfte Lebensmittel, die noch einwandfrei sind, aber nicht mehr verkauft wurden, kostenlos an freiwillige Helfer weiter. Diese können sie anschließend verteilen oder zum Teil selbst verwenden. Geld spielt dabei keine Rolle: Weder die Geschäfte noch die Helfer bezahlen etwas.
Auf das Thema aufmerksam wurde ich vor etwa drei Jahren durch eine Fernsehdokumentation. Darin wurde gezeigt, wie große Mengen an Lebensmitteln täglich weggeworfen werden, obwohl sie noch problemlos gegessen werden könnten. Das hat mich ziemlich beschäftigt. Schon am folgenden Tag informierte ich mich im Internet über Foodsharing-Angebote in meiner Stadt und fand einen Verein, bei dem ich mich anmeldete. Bevor ich meine ersten Lebensmittel abholen durfte, nahm ich an einer kurzen Einführung teil. Dort erfuhren wir unter anderem, woran man erkennt, ob Lebensmittel noch in Ordnung sind, wie jede Abholung festgehalten werden muss und welche rechtlichen Vorschriften zu beachten sind.
Der zeitliche Aufwand hält sich für mich in Grenzen. Für eine Abholung einschließlich Hin- und Rückfahrt sowie der anschließenden Verteilung brauche ich ungefähr anderthalb Stunden. Was ich mitbringe, behalte ich keineswegs alles selbst. Einen Teil gebe ich an eine Gemeinschaftsküche weiter, die Mahlzeiten für obdachlose Menschen zubereitet. Die übrigen Lebensmittel biete ich über eine Internetplattform in meiner Nachbarschaft an. Wer Interesse hat, kann sich dort melden und etwas abholen. Noch immer überrascht mich manchmal, welche Mengen am Abend übrig sind: ganze Brote, Obst mit kleinen Druckstellen oder Joghurt, dessen Mindesthaltbarkeitsdatum bald erreicht ist.
Natürlich funktioniert die Zusammenarbeit nicht immer ohne Schwierigkeiten. Nach ungefähr einem Jahr wollte eine Bäckerei plötzlich nicht mehr teilnehmen, weil der Inhaber sich wegen möglicher rechtlicher Folgen Sorgen machte. Auch einige Menschen in meiner Nachbarschaft stehen dem Foodsharing eher kritisch gegenüber. Sie fragen beispielsweise, ob die Lebensmittel wirklich hygienisch seien, oder haben den Eindruck, dass man sich dadurch kostenlos Essen erbettelt. In solchen Situationen versuche ich ruhig zu erklären, dass die Lebensmittel vor der Weitergabe sorgfältig kontrolliert werden und dass es vor allem darum geht, noch genießbare Produkte nicht unnötig wegzuwerfen.
Für mich persönlich hat sich durch das Foodsharing ebenfalls einiges verändert. Da ich einen kleinen Teil der abgeholten Lebensmittel selbst verwenden darf, muss ich weniger einkaufen als früher. Außerdem bin ich beim Kochen einfallsreicher geworden, denn vorher weiß ich nie genau, welche Lebensmittel an diesem Tag übrig bleiben werden. Noch wichtiger finde ich aber die Kontakte, die dadurch entstanden sind. Ich habe Menschen aus meiner Umgebung kennengelernt, mit denen ich vorher kaum gesprochen hatte. In unserer Wohnanlage gibt es inzwischen sogar eine kleine Tauschgruppe, die sich ursprünglich aus den Foodsharing-Kontakten entwickelt hat.
Nach drei Jahren bin ich nicht der Meinung, dass man mit solchen Aktionen allein alle Umweltprobleme lösen kann. Trotzdem halte ich das Engagement für sinnvoll. Wenn viele Menschen einen kleinen Beitrag leisten, müssen weniger Lebensmittel entsorgt werden. Davon profitiert nicht nur derjenige, der das Essen noch verwenden kann. Gleichzeitig werden auch Wasser, Energie und andere Ressourcen geschont, die für Herstellung und Transport der Lebensmittel benötigt wurden.
Das Ergebnis dieser einzelnen Übung ist keine Bestehensprognose und keine offizielle Bewertung.