Vom Hobby zum Beruf: Kuchen fürs Büro
Als ich nach meiner Elternzeit wieder in meine Firma zurückkehren wollte, erfuhr ich, dass es meine frühere Stelle dort nicht mehr gab. Zunächst wusste ich nicht, wie es beruflich weitergehen sollte. Einige Wochen später hörte ich zufällig in einem Café ein Gespräch darüber, dass die Bürogemeinschaft nebenan jeden Freitag Kuchen bestellte. Mit der Qualität war man dort allerdings nicht besonders zufrieden: Der Kuchen sei häufig zu trocken und außerdem ziemlich teuer. Da Backen schon seit Jahren zu meinen Lieblingsbeschäftigungen gehörte, bot ich spontan an, beim nächsten Mal selbst etwas mitzubringen.
Mein erster Versuch war ein Zitronenkuchen mit Glasur. Zu meiner Überraschung war er innerhalb von zehn Minuten verkauft. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter waren so zufrieden, dass sie gleich weitere Kuchen für den folgenden Monat bestellten. Eigentlich hatte ich nie vorgehabt, mit meinem Hobby Geld zu verdienen. Trotzdem entwickelte sich daraus nach und nach ein kleines Geschäft. Inzwischen beliefere ich jeden Freitag fünf Büros in der Umgebung und backe dafür insgesamt ungefähr vierzig Kuchenstücke pro Woche.
Am Anfang machte ich mir über die rechtlichen Vorschriften kaum Gedanken und verkaufte meine Kuchen einfach von zu Hause aus. Erst eine Bekannte, die selbst eine kleine Bäckerei betreibt, machte mich darauf aufmerksam, dass das so nicht erlaubt sei. Daraufhin meldete ich ein Gewerbe an, nahm an einem Kurs über Lebensmittelhygiene teil und ließ meine Küche von der zuständigen Stelle kontrollieren. Das Ganze war mit zusätzlichem Aufwand und einigen Kosten verbunden. Dafür muss ich mir heute keine Sorgen mehr darum machen, ob ich meine Produkte offiziell verkaufen darf.
Seit etwa einem Jahr beziehe ich einen großen Teil meiner Zutaten von einem Biohof außerhalb der Stadt. Dort sind Eier und Mehl zwar etwas teurer, dafür halte ich sie für frischer und qualitativ besser. Auch bei meinen Kunden kommt das gut an. Außerdem versuche ich, auf besondere Wünsche einzugehen. In einem Büro sollen die Kuchen beispielsweise keine Nüsse enthalten, während ein anderes regelmäßig etwas Neues ausprobieren möchte. Deshalb suche ich immer wieder nach neuen Ideen und greife dabei manchmal sogar auf alte Kochbücher meiner Großmutter zurück.
Mittlerweile verdiene ich mit meiner Arbeit genug, um finanziell nicht mehr auf die Unterstützung meines Mannes angewiesen zu sein. Noch wichtiger ist mir allerdings die Freiheit, meine Arbeitszeit selbst zu bestimmen. So kann ich am Nachmittag für meine Kinder da sein, wenn sie aus der Schule kommen. Ganz bequem ist die Arbeit trotzdem nicht: Besonders freitags beginnt mein Tag sehr früh, denn bereits um fünf Uhr morgens muss der erste Kuchen im Ofen sein.
Für den Herbst habe ich bereits einen neuen Plan. Ich würde gern einen kleinen Stand auf dem Wochenmarkt mieten und dort neben Kuchen auch Brot und herzhafte Kleinigkeiten verkaufen. Ob sich diese Idee tatsächlich umsetzen lässt, kann ich noch nicht sagen. Vor zwei Jahren hätte ich allerdings genauso wenig geglaubt, dass ich irgendwann meinen Lebensunterhalt mit selbst gebackenen Kuchen verdienen würde.
Das Ergebnis dieser einzelnen Übung ist keine Bestehensprognose und keine offizielle Bewertung.