Ein Au-pair-Jahr in Wien
Nach meinem Schulabschluss in Spanien war ich mir noch nicht sicher, welchen beruflichen Weg ich einschlagen wollte. Ein Studium sofort zu beginnen, erschien mir deshalb nicht sinnvoll. Stattdessen entschied ich mich dafür, zunächst ein Jahr als Au-pair in Wien zu verbringen. Über eine Vermittlungsagentur fand ich eine Familie mit zwei Kindern, die in einer hellen Wohnung in unmittelbarer Nähe des Naschmarkts wohnte. Die Agentur überprüfte vorher, ob die Familie zuverlässig war, und unterstützte mich außerdem bei den notwendigen Formalitäten. Für diesen Service musste ich einmalig eine Gebühr bezahlen.
Mein Tagesablauf war ziemlich klar geregelt. Morgens brachte ich die Kinder zur Schule. Danach hatte ich einige Stunden für mich und besuchte einen Deutschkurs, dessen Kosten von meiner Gastfamilie übernommen wurden. Außerdem bereitete ich häufig schon das Abendessen vor. Am Nachmittag holte ich die Kinder wieder ab, spielte mit ihnen, unterstützte sie bei den Hausaufgaben und begleitete sie zu ihren Sportkursen. Die meisten Abende sowie die Wochenenden standen mir normalerweise zur freien Verfügung.
Schon zu Beginn hatten die Eltern und ich genau besprochen, was von mir erwartet wurde. Wir hielten schriftlich fest, dass meine Arbeitszeit höchstens 30 Stunden pro Woche betragen sollte. Außerdem gehörten ein eigenes Zimmer und ein festes Taschengeld zu unserer Vereinbarung. Ganz ohne Probleme funktionierte das Zusammenleben trotzdem nicht. Gelegentlich fragten mich die Eltern kurzfristig, ob ich auch am Wochenende auf die Kinder aufpassen könne. Anfangs fiel es mir schwer, solche Bitten abzulehnen. Mit der Zeit lernte ich jedoch, freundlich, aber deutlich zu sagen, wenn ich bereits andere Pläne hatte.
Auch an Wien musste ich mich zunächst gewöhnen. Das Leben dort ist nicht gerade günstig, doch als Au-pair konnte ich einige Vergünstigungen nutzen, beispielsweise für öffentliche Verkehrsmittel und Museen. Eine größere Herausforderung war am Anfang die Sprache. Obwohl ich bereits Deutsch gelernt hatte, verstand ich den Wiener Dialekt kaum. Besonders in Geschäften sprachen die Leute für mein Gefühl sehr schnell, sodass ich häufig nur zustimmend nickte, obwohl ich nicht alles verstanden hatte. Nach ungefähr drei Monaten bemerkte ich allerdings, dass mir Gespräche im Alltag deutlich leichter fielen.
Am schwierigsten war für mich die Winterzeit. Wenn es schon am späten Nachmittag dunkel wurde und meine Gastfamilie begann, Weihnachten vorzubereiten, vermisste ich meine eigene Familie besonders stark. Schließlich flog ich für eine Woche nach Spanien. Danach fühlte ich mich wesentlich besser und konnte die restliche Zeit in Wien wieder mehr genießen.
Rückblickend würde ich mich jederzeit noch einmal für ein solches Jahr entscheiden. Ich habe nicht nur gelernt, einen Haushalt mitzuorganisieren und meinen Alltag in einer fremden Sprache zu bewältigen. Besonders wichtig war für mich auch, Konflikte anzusprechen und meine eigenen Grenzen deutlich zu machen. Außerdem hat mir die Zeit mit den Kindern bei einer wichtigen Entscheidung geholfen: Heute weiß ich, dass ich später beruflich mit Kindern arbeiten möchte. Inzwischen studiere ich im zweiten Semester Sozialpädagogik.
Das Ergebnis dieser einzelnen Übung ist keine Bestehensprognose und keine offizielle Bewertung.