Ein Praktikum im Tierheim
Für mein Schulpraktikum hatte ich die Möglichkeit, vier Wochen lang im städtischen Tierheim mitzuarbeiten. Da sich auch viele andere Schülerinnen und Schüler aus meiner Klasse für einen Praktikumsplatz dort interessierten, musste ich zunächst ein kurzes Bewerbungsgespräch führen. Die Leiterin wollte dabei vor allem wissen, ob ich gegen Tiere allergisch sei und ob es für mich ein Problem wäre, früh aufzustehen. Schließlich beginnt der Arbeitstag bereits um halb acht.
Am ersten Morgen hatte ich erwartet, mich gleich um Hunde und Katzen kümmern zu dürfen. Doch davon war zunächst wenig zu sehen. Statt mit den Tieren zu spielen, sollte ich Käfige reinigen, Futter vorbereiten und Wäsche waschen. Meine Betreuerin erklärte mir, ein großer Teil der täglichen Arbeit bestehe aus Saubermachen. Außerdem dürften nur gesunde Tiere, deren Räume sauber seien, Besuch bekommen. Mir wurde schnell klar, dass die Arbeit im Tierheim ganz anders war, als ich sie mir vorgestellt hatte.
Nach etwa einer Woche durfte ich schließlich auch Hunde einzeln in den Auslauf bringen und mit ihnen spazieren gehen. Besonders mochte ich Bruno, einen älteren Schäferhund, der nicht mehr gut hören konnte und deshalb schon längere Zeit kein neues Zuhause gefunden hatte. Jeden Tag ging ich mit ihm dieselbe Runde. Umso mehr freute ich mich, als am vorletzten Tag meines Praktikums ein älteres Paar ins Tierheim kam. Die beiden suchten ausdrücklich einen ruhigen Hund, der nicht mehr ganz jung sein sollte. Kurz darauf durfte Bruno mit ihnen nach Hause gehen.
Während meines Praktikums erfuhr ich auch einiges, womit ich vorher nicht gerechnet hatte. Viele Tiere werden nämlich nicht auf der Straße gefunden, sondern von ihren Besitzern im Tierheim abgegeben. Die Gründe dafür sind unterschiedlich: Manche Familien ziehen um oder trennen sich, andere entscheiden sich für ein jüngeres Tier. Das fand ich ziemlich traurig. Die Leiterin erklärte allerdings, dass die Zahl solcher Abgaben in den vergangenen Jahren langsam zurückgegangen sei.
Inzwischen habe ich eine deutlich realistischere Vorstellung vom Beruf des Tierpflegers. Die Arbeit kann körperlich anstrengend sein, die Bezahlung ist nicht besonders hoch und ohne Geduld kommt man in diesem Beruf nicht weit. Trotzdem hat mich das Praktikum nicht abgeschreckt. Im Gegenteil: Ich könnte mir weiterhin gut vorstellen, später beruflich mit Tieren zu arbeiten. Bevor ich mich endgültig für eine Ausbildung entscheide, möchte ich jedoch noch mehr Erfahrungen sammeln.
Deshalb komme ich seit dem Ende meines Praktikums jeden Samstag für ungefähr drei Stunden ins Tierheim und helfe dort ehrenamtlich mit. Meine Eltern finden das in Ordnung, solange meine schulischen Leistungen nicht darunter leiden. Eines habe ich jedenfalls gelernt: Wer gern mit Tieren arbeitet, darf nicht erwarten, den ganzen Tag nur mit ihnen zu spielen. Man muss auch bereit sein, unangenehme und körperlich anstrengende Aufgaben zu übernehmen.
Das Ergebnis dieser einzelnen Übung ist keine Bestehensprognose und keine offizielle Bewertung.