Ein Garten zwischen den Gleisen
Als ich vor drei Jahren in die Nähe des Nordbahnhofs zog, kannte ich dort fast niemanden. Das Viertel wirkte auf den ersten Blick nicht besonders freundlich: Zwischen zwei alten Lagerhallen lag ein leeres Grundstück, auf dem Steine, kaputte Möbel und anderer Müll herumlagen. Die meisten Leute nutzten den schmalen Weg daneben nur als Abkürzung zum Bahnhof.
Eines Tages hingen am Zaun bunte Plakate. Eine Nachbarschaftsgruppe wollte das Gelände pachten und dort einen Gemeinschaftsgarten anlegen. Mitmachen konnte jeder, Vorkenntnisse waren nicht nötig. Statt eines monatlichen Beitrags sollte man ungefähr zwei Stunden pro Monat arbeiten. Ich meldete mich sofort an, obwohl ich vorher nicht einmal Kräuter auf dem Balkon gezogen hatte.
Die ersten Wochen waren anstrengend. Wir sortierten Müll, entfernten Steine und diskutierten lange darüber, wie der Garten aussehen sollte. Eine Bäckerei schenkte uns stabile Holzkisten, aus denen wir Hochbeete bauten. Die Stadt ließ einen Wasseranschluss legen, bezahlte aber weder Gartengeräte noch Pflanzen. Dafür organisierten wir einen kleinen Flohmarkt. Von den Einnahmen kauften wir Schaufeln, Erde und die ersten Samen.
Heute wachsen dort Tomaten, Bohnen, Kräuter und sogar kleine Melonen. Viel wichtiger als die Ernte ist für mich jedoch, dass ich im Garten Menschen kennengelernt habe, denen ich sonst nie begegnet wäre. Jeden Mittwoch kochen wir gemeinsam. Einen Teil des Gemüses verwenden wir dafür, einen weiteren Teil bekommt eine soziale Küche im Viertel. Nur was danach übrig bleibt, nehmen die Mitglieder mit nach Hause.
Im nächsten Frühjahr möchten wir eine Ecke für Schulklassen eröffnen. Die Kinder sollen dort erfahren, wo Lebensmittel herkommen. Dafür suchen wir noch Freiwillige, die vormittags Zeit haben. Ich kann dann wegen meiner Arbeit wahrscheinlich nicht helfen. Am Wochenende werde ich aber weiterhin die Beete pflegen und neue Mitglieder begrüßen. Aus dem unattraktiven Platz ist inzwischen ein Ort geworden, an dem ich mich wirklich zu Hause fühle.
Das Ergebnis dieser einzelnen Übung ist keine Bestehensprognose und keine offizielle Bewertung.